 Halle/MZ. Angeln ist langweilig. Man darf dabei nicht reden. Und die auf den Haken gespießten Würmer sind eklig. Das sagt der Volksmund, und er hat - gelinde gesagt - nicht den Ansatz einer Ahnung vom wahren Anglerleben. Das nämlich kann durchaus ziemlich spannend sein.
Bestätigen kann dies das sachsen-anhaltische Team, das sich bei der Weltmeisterschaft im Brandungsangeln unter 17 Clubs den Titel gefischt hat. Dabei haben die Binnenländer am Ostseestrand von Kühlungsborn nicht nur die Insel-Profis aus England und die Italiener auf die Plätze verwiesen. Selbst das zweite deutsche Team aus Schleswig-Holstein hat seinen maritimen Heimvorteil nicht nutzen können und schaffte es nur auf Rang neun.
In vier Wertungsdurchgängen, verteilt über eine Woche, mussten sich die Teilnehmer einiges einfallen lassen, um Dorsch, Plattfisch oder Wittling von ihren Ködern - meist Wattwürmer - zu überzeugen. Dass die Kringler erst einmal mit Schwung über gute 100 Meter hinausgeschleudert werden müssen, ist fast das kleinere Übel. Denn wer sich das Regelwerk für derlei Wettkämpfe ansieht, fühlt sich irgendwie an die Straßenverkehrsordnung erinnert. Für alles - Platzwahl, Ruten, Rollen, Schnüre, Köder und Umgang mit dem gefangenen Fisch - gibt es Vorschriften. Und immer jemanden, der deren Einhaltung überwacht.
Übrigens wanderte der Fang täglich nach Wettkampfende in die Pfanne. Vier mal Fisch zum Abendessen - vielleicht war dies das einzig langweilige in dieser Novemberwoche.
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